Erster deutschsprachiger muslimischer Blogkarneval!
Dies ist eine Kopie des von “Kopftuch und IT” veröffentlichten Zusammenfassung des Blogkarnevals
Assalaam o Alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuh – und Herzlich Willkommen zum ersten deutsprachigen, muslimischen Blogkarneval ! Organisatoren sind TooMuchCookies.net und Kopftuch und IT. Da ich die Ehre habe dieses mal Gastgeberin zu sein, findet ihr im folgenden eine Zusammenfassung der eingereichten Beiträge mit den jeweiligen Links zu den vollständigen Artikeln.
Den Anfang macht Ekrem Senol vom Jurblog mit seinem Beitrag “Muslimische Schülerinnen und der Sport-Schwimm- und Sexualkindeunterricht”. In dem Artikel wird untersucht, inwiefern muslimische Schüler wirklich dem Sport, Bio, -oder Sexualkundeunterricht fern bleiben. Das ganze stützt sich zum Teil auf eine offizielle Umfrage, welche interessante und überraschende Ergebnisse zutage fördert. Die Aussagen der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung Maria Böhmer (CDU) und die Statistiken der entsprechenden Behördern, sind alles andere als konsistent und lassen viel Raum zum spekulieren… Ein daran anknüpfender Artikel beleuchtet das Thema Klassenfahrten und Sport – bzw. Sexualkundeunterricht in Verbindung mit muslimischen Schülern und den entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen.
Ein weiterer Beitrag vom JurBlog beschäftigt sich mit dem Prozess um das Kopftuch-Verbot in Bayern und beleuchtet eingehend die Paradoxie der Behauptung “Eine Muslima mit Kopftuch sei nicht in der Lage die Gleichheit von Männern und Frauen zu verkörpern – und deshalb dürfen sie nicht unterrichten” denn prinzipiell ist es hier der Staat, welcher die Muslima ihrer Gleichberechtigung gegenüber anderen Frauen oder Religionsgemeinschaften – nämlich das Recht zu unterrichten – beraubt.
In einem ähnlichen Zusammenhang, widmet sich ein weiterer Beitrag Ekrem Senols wiederum dem Kopftuch und den Vorstellungen, welche nicht-Muslime oft fälschlicherweise damit verbinden. Diesmal geht es um eine 16 jährige Schülerin, welche von ihrem Rektor wiederholt aufgefordert wird ihr Kopftuch im Unterricht abzunehen, da es für Frauenunterdrückung und dergleichen stünde. Besonders bedauernswert sind in diesem Kontext die auf Vorurteilen basierenden Aussagen des Rektor, welcher in seiner Position ein Vorbild sein sollte und den Schülern deutlich machen müsste, dass es gilt sich eine eigene Meinung zu bilden statt blind mediale Propaganda zu reproduzieren.
Zwangsehen im Islam – ein beliebtes Thema in den Medien. Obwohl aus islamischer Sicht klar und unbestreitbar verboten, führt das mehr an Traditionen als an Religion gebundene Verhalten einiger Bevölkerungsgruppen zu dem Eindruck, Islam hieße Zwangsehen gut oder fördere sie gar. Erneut nimmt sich Ekrem Senol vom JurBlog dieser Thematik an, mit anschließender Diskussion in den Kommentaren.
Kommen wir zu einem weiteren Karnevalsteilnehmer: MediaGard, welcher ebenfalls einige Artikel rund um den Islam und das muslimische Leben in Deutschland eingereicht hat. MediaGard wagt einen Blick über den deutschen Tellerrand in seinem Beitrag “Eine zynische Türkeimission”, in dem es u.a. um die umstrittene Rede des frisch gebackenen Papstes Benedikt XVI, sowie den wenig später erfolgten Türkeibesuches des christlichen Würdenträgers geht. Das kontroverse Thema “Papstrede” mit Ausflügen in die deutsche Politik wird eingehend besprochen und zeigt einige verbale Fehltritte der deutsch-politischen aber auch internationalen Obrigkeit auf.
Im Zuge der medial-politischen anti-Islam Kampagne dürfte es kaum verwundern, dass langsam aber sicher auch anti-islamische Vereine aus dem fruchtbaren Boden des Internets sprießen – so auch der kürzlich gegründete “PAX Europa”, dessen zweifelhafter Vereinssatzung sich MediaGard eingehend widmet.
Vielleicht sollten wir Muslime uns besser an das Leben in Deutschland anpassen, um zukünftige Querelen und Missverständnisse zu vermeiden? Was die Regierung als “Integration” verkauft, scheint eher dem Zweck einer Assimilation zu dienen – der humorvolle Integrationsleitfaden von MediaGard hilft jedem willigen Muslimen dabei, seinen Assimilierungsprozess erfolgreich voranzutreiben.
Aber mal ernsthaft: Wie kommen all diese Missverständnisse und Vorurteile gegenüber dem Islam und seinen Anhängern zustande ? An unserem reichen Fundus an aufklärenden Büchern über den Islam kann es doch nicht liegen – oder ? MediaGard wagt einen Marsch durch den von sogenannten Islamexperten erschaffenen Berg an zweifelhaft “aufklärender” Islamliteratur.
Interessanterweise stieg die Anzahl der zum Islam konvertierten Deutschen im Vergleich zu 2005 – will man eine Vermutung über die Ursache anstellen, so käme mir folgendes in den Sinn: Islam wird stärekr den je in den Medien theamatisiert – und da wundert es nicht, wenn einige deutsche sich einmal selbst ein Bild von dieser so heiß diskutierten Religion machen wollen. Was sie dabei entdecken dürfte nicht seltend überraschend für den einzelnen sein und schlussendlich zu der Entscheidung führen sich dem Glauben anzuschließen. MediaGard hat den Falt aufgegriffen und äußert sich in folgendem Artikel kurz zur Thematik.
Ist es als Muslim nicht unsere Pflicht den Islam so darzustellen wie er wirklich ist ? Sollten wir nicht den Nicht-Muslimen erklären worum es im islam eigentlich geht ? Nämlich um den Glauben an Gott und das friedliche und verständnissvolle Miteinander aller Kulturen und Religionen ? Eigentlich schon – doch wie Omar-Abo-Namous von TooMuchCookies feststellt, tragen laut einer Umfrage ein großer Teil der britischen Moscheen dieser Ausfgabe kaum, bzw. keine Rechnung. Auch die Gefahren des sogenannte “religiösen Extremismus”, werden in den Moscheen kaum bis gar nicht thematisiert. Auch die weiter ansteigende “Islamophobie” wird in muslimischen Verbänden nich toft genug zur Sprache gebracht – was besonder sfür junge Muslime frustrierend ist, da sie im speziellen schließlich häufig – ob in Schule, Beruf oder Ausbildung damit konfrontiert werden.
In einem weiteren Beitrag äußerst sich TooMuchCookies zu dem Bau von Moscheen und schlägt vor – orientiert an dem Beispiel der “Großen Moschee von Djenné” zukünftigt alle Moscheen aus Schlamm zu bauen. Warum ? Ganz klar : Eine solche Moschee würde nur solange überleben, wie ihre Mitglieder bereits sind bei der Erhaltung zu helfen. Gäbe es hingegen niemanden mehr, der in der Moschee betet, würde sie langsam zerfallen – ein Interessantes Konzept, was sich übrigens auf alle Religionen und deren Gotteshäuser anwenden ließe.
Belal vom Blog Belal sagt widmet sich ebenfalls dem Thema Moscheen und liefert einen tiefgehenden Blick in die Bedeutung der Moscheen für Muslime. Belal bringt u.a. auch die politische Zurückhaltung der Moscheen zur Sprache und der Mangel an Predigten mit Aktualitätsbezug. Ebenfalls zur Sprache gebracht, werden die sprachlichen Differenzen, welche es oft erschweren die freitagliche Predigt für alle Mitglieder verständlich vorzutragen – kein Wunder, schließlich setzt sich der Kreis der Muslime in Deutschland bunt gemischt aus Türken, Arabern, Marokkanern, Serben oder auch Deutschen zusammen. Zuweilen tendieren die Muslime dazu, sich in ihren “Sprach-Kreis” zurückzuziehen – schade, denn zusammen würden wir zum einen wesentlich mehr Menschen ansprechen können (wortwörtlich) und der Austausch der Kulturen würde uns ebenfalls helfen zu unterscheiden was wirklich Religion und was eigentlich Tradition ist – denn nicht selten verschwimmen die Grenzen hier.
Klar das jeder gern darüber spricht, welch prominente Anhänger die eigene Religion so hat – doch leider gleiten viele dabei oft in Unwahrheiten ab, die nicht selten ungeprüft reproduziert werden. Kadir Yücel vom Migrantenkind-Blog ging dem Mythos – dass der erste Mann auf dem Mond zum Islam konvertiert sei – auf den Grund auf den Grund und fand dabei heraus, dass sich manche Geschichten zwar toll anhören, aber nur wenig mit der Wahrheit gemeinsam haben.
Einem ernsten und leider weit verbreiteten Problem, der Stereotypisierung von Muslimen und Ethnien widmet sich Musafira. Sie beschreibt, wie sich Kulturen und Religion gegenseitig als minderwertig und Rückständig bezeichnen, ohne einander wirklich zu kennen. Der Text handelt davon, wie Muslime mit Stereotypen über sich selbst umgehen und wie sie darauf antworten. Dieser Umgang ist Musafiras Meinung nach oft sehr fragwürdig.
Ein konkretes Erlebnis zum Thema “Stereotypisierung von Kulturen und Glaubensrichtungen” schildert Eman in ihrem Blog Aquacool. Sie bezieht sich im besonderen auf die Vorurteile gegen Araber und den Islam und stellt fest, dass zwar einige Leute ehrliches Interesse haben und freundlich diskutieren, andere jedoch einfach nur mit Vorurteilen um sich werfen, ohne ihr Gegenüber wirklich zu Wort kommen zu lassen. Nicht selten wird man mit Sätzen wie “Muslime sind zurückgeblieben” oder “Das einzig interessante an Arabern seien ihre Bauchtänzerinnen, das gute Essen, die Wüste und das Meer.” Natürlich entstehen Vorurteile nicht grundlos, sondern basieren in der Regel auf Tatsachen – jedoch ist es selten fair diese Einzelfälle auf eine gesamte Kultur, bzw. eine komplette Religionsgemeinschaft zu projiezieren.
Das auch der Islam nicht frei von Splittergruppen ist dürfte allgemein bekannt sein: Shiiten, Sunnies, Sufies und einige mehr verstoßen teilweise offen gegen den Quran und dessen Gesetze und haben trotzdem nicht selten eine beachtliche Anzahl an Gefolgsleuten – im besonderen seien hier die Ahmadiyya oder die Shiiten. Abu Zeynab alias Hood Shaykh nähert sich dem Thema von der künstlerischen Seite an, mit seinem Rap “Malik ash-Shu’araa”.
Resumé des ersten deustchen muslimischen Blogkarnevals:
Als Omar von TooMuchCookies das erste Mal den Vorschlag machte, solch einen Karneval zu organisieren war ich sofort begeistert – und skeptisch. Würden wir genug deutschsprachige, bloggende Muslime zusammentrommeln können, um einen anständigen Blogkarneval auf die Beine zu stellen?
Doch jegweder Zweifel verschwand spätestens mit den ersten eingereichten Beiträgen – die Artikel welche schlussendlich zusammenkamen, sind nicht nur zahlreich, sondern behandeln anspruchsvolle Themen und geben einen interessanten und teilweise auch ungewohnten Einblick in das Leben eines Muslimen. Grund hierfür ist u.a. die bunte Mischung der Teilnehmer, welche aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen kommen und dementsprechend auch recht unterschiedliche Erfahrungen mit dem “Muslim-sein” in Deutschland gemacht haben.
Omar von TooMuchCookies und ich, bedanken uns ganz herzlich bei allen Teilnehmer und hoffen, dass der Karneval einigen Gesprächsstoff bietet und einen Schritt weit zur Aufklärung und Verständigung beiträgt.
Abschließend möchte ich mich bei allen Lesern dieses Blog für ihr Interesse bedanken – ich habe mich dazu entschlossen Kopftuch und IT zu schließen und vorerst mit dem bloggen aufzuhören. Aufgrund des Karnevals, wird die Seite jedoch noch einige Zeit online stehen bleiben.
02.02.2007